Jörn Petersen

Literarische Leseproben

Posted in Skurriles by Jörn Petersen on Oktober 1, 2009

Schröder ist nicht besonders groß, nicht besonders klein; weder intelligent noch dumm, eben völlig unspektakulär. Irgendwie ist er vor ungefähr 32 Jahren im norddeutschen Bremen zur Welt gekommen und weiß nicht so recht warum. Aber er wird‘s schon noch herausfinden.

Ob er unbeholfen im Wartezimmer des Meldeamtes in den Lautsprecher brüllt: „Moment, ich komme gleich!“ und sich dafür extra auf einen Stuhl stellt oder im Schweigekloster den Namen »Bruder Spekulatius« tragen muss, weil er nicht sagen will, wie er heißt. Schröder ist immer für eine überraschende Wendung gut.

Ein fröhlich-skurriler Typ von nebenan. Unbedarft, neugierig und fragend stolpert er durch sein Leben. Ihm passieren all jene unerwartet paradoxen Selbstverständlichkeiten des Alltags, die jedem von uns geschehen könnten, … sofern man sein Leben wirklich wörtlich nähme. Liebens- und lachenswert: Die Schröder-Fan-Gemeinde wächst.

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Manchmal ist ihm das schon ein wenig unangenehm, aber er weiß nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Er könnte auch darauf verzichten, aber wieso sollte er das tun. Er tut mit seiner Neigung ja keinem Menschen was zuleide. Andererseits, die anderen schauen ihn immer so merkwürdig an, als ob er nicht alle am Christbaum hätte, wenn sie an ihm vorbeigehen und er gerade fröhlich vor sich hin singt.

Heute hat er seine automatisch beste, weil einzige Krawatte aus dem Schrank geholt und sich so fein gemacht, wie‘s eben geht. Er ist das ja eigentlich nicht gewohnt. Aber heute ist ein ganz besonderer Tag. Heute vor fünf Jahren hat er es zum erstenmal bemerkt. Zunächst war diese Erkenntnis nicht so einfach, aber dann hat er sich gedacht:

„Schröder, wenn das nun mal Deine Veranlagung ist, dann musst Du dazu stehen.“

Er wartete noch ein paar Tage, dann ging er zu seinen Eltern. Um die Situation ein wenig zu entkrampfen, hatte er für seine Mutter ein kleines Usambaraveilchen und für seinen Vater eine Schachtel Zigaretten gekauft. Und dann hatte er die beiden feierlich auf das große Sofa setzen wollen, was leider nicht ganz klappte, weil sein Vater sich nicht wirklich händchenhaltend neben die Mutter setzen wollte. Also setzte der Vater sich wieder auf den großen Ohrensessel und reichte der Mutter zwar nicht die Hand, aber immerhin einen Blick.

Mit pathetischer Geste schenkte Schröder seinen Eltern ein Glas Sekt ein, während seine Mutter ihn neugierig mit Blicken absuchte. Aber sie kam nicht darauf. Genauso würdevoll wie unsicher erhob Schröder sein Glas und sagte:

„Mutter, Vater, ich habe Euch hier zusammengerufen, um Euch etwas Wichtiges mitzuteilen.“

„Nun spann‘ uns nicht länger auf die Folter.“ sagte seine Mutter ungeduldig.

„Wieviel brauchst Du?“ fragte sein Vater.

„Mutter, Vater, ich weiß, es wird Euch nicht leicht fallen, das zu akzeptieren, aber Ihr habt mich das Licht dieser Welt erblicken lassen, und wenn Ihr mich liebt, wie man einen Sohn liebt, wird das, was ich Euch jetzt mitteilen werde, nicht zwischen uns stehen.“

Die Augen von Schröders‘ Mutter standen vor lauter Aufregung weit offen, wie ein Scheunentor. Was hatte das zu bedeuten? Hatte er in Las Vegas geheiratet, hatte er irgendwo eingebrochen, oder war er heimlich zur Marine konvertiert?

„Mutter, Vater!“ Schröder holte noch einmal ganz tief Luft, „Ich bin ein Sänger …!“

„Ein was?“ fragte seine Mutter

„Ein Sänger …!“

„Wieso das denn?“

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Retten Retlaf

Retten Retlaf

Eigentlich ein wunderbarer Morgen. Die Blüten bereiten sich auf den bevorstehenden Herbst vor. Und dennoch spenden sie ausreichend Kraft und Nektar, um den vielfältigen Schmetterling »Retten Retlaf« auf seinem locker tänzelnden Arbeitsweg zu begleiten. „Hallo Sonne, wie scheint es Dir heute?“, ruft er in den Himmel, „Du warst mal wieder schneller als ich!“. Eine Antwort braucht er wohl nicht abzuwarten, die beiden haben da so ein stillschweigendes Verständnis. Retten plappert und die Sonne schickt ihm einen geborgenen Strahl. Dann nimmt er diesen Strahl und gibt all den Blüten am Rande seines Weges ein kleines Stückchen davon ab. Längst kennt er jede einzelne Blüte mit ihrem Vornamen. Manche ruft freundschaftlich: “Nicht so stürmisch, Retten!” Er antwortetet: “Verzeihen Sie mir, Du schöne Blüte!” und weiß insgeheim wie gut es ist, von irgendwem ein wenig gebremst zu werden. Schließlich muss er aufpassen, seine Frühstücksbrote nicht zu verlieren. Die hat seine Frau ihm voller Liebe in die Aktentasche gepackt. Mag sein, es ist so schön zur Arbeit zu gehen, weil das Heimkommen sich so toll anfühlt …

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Ein Baby liegt in seinem Kinderwagen, ruhig und voller Urvertrauen, Angst ist ihm fremd. Es hat eine Wollmütze auf dem Kopf und die Mutter hat ihm die wärmende Daunendecke bis unter’s Kinn gelegt; umwickelt und gehüllt in Mutterliebe. Seine Haut, so gleichmäßig und friedvoll, wie man sich ein Leben nur wünschen möchte. Keine Falten auf dem Gesicht, keine vernarbte Seele; keine Spuren des Lebens, das jetzt beginnen will. Die Mutter schiebt das Baby wohlgeborgen in den Tag, möchte ihm den Weg zeigen. Den Weg ins Leben, oder in das, was sie unter Leben versteht. Das Baby blinzelt, schaut seine Mutter aus dem Kinderwagen verständnisvoll an. Es will keinen Weg. Es ist gut wie es ist. Und es ist gut wie es wird, ohne Bedienungsanleitung für das, was kommen mag.

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(…) Frau Schniebel putzt die Treppe in der zweiten Etage. Möglichst lautstark, damit man ihren Fleiß auch ja nicht überhören möge. Ab und zu ein angestrengtes Stöhnen; könnte auch ein Seufzen oder Keuchen sein. Und ständig dieses Geklapper, wenn der Wischmop viel lauter als nötig gegen die Treppenstufen klatscht. »Also, das muss ja nun wohl wirklich nicht sein!«, brummt sie so leise vor sich hin, dass man es auch in der dritten Etage nicht überhören kann. »Es ist heller Tag und die Czepanskis machen trotzdem das Licht an. Dass das dann gleich zehn Glühbirnen sind, soweit denken die nicht. Typen gibt‘s …« Ein abschätziges Kopfschütteln, dann wischt sie mit einem alten Lappen den Handlauf des Treppengeländers hygienisch sauber.

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Lesen Sie “Neues von Frau Schniebel”

Schniebel 1. Etage

Schniebel 2. Etage

Schniebel 3. Etage

Schniebel 4. Etage

(…) Die Frauen plappern und singen und wedeln mit ihrer Einkaufsbeute. Schwarzbrot, Ammerländer Schinken und vor sechs Tagen aus England importierter frischer Aal. Die Männer plappern nicht. Das ist in dem Alter nunmal so. In dem Alter ist man nur noch Beiwerk seiner Ehefrau. Und man ist als Mann schon dankbar, wenn man von seiner Frau nicht ständig vor der restlichen Gesellschaft gedemüdigt wird, weil man » … mal auf ihre Handtasche aufpassen soll.« Man tut dann möglichst unbeteiligt oder täuscht ein leichtes Schnarchen vor. Und wenn die Obstler-Fröhlichkeit der Damenwelt auf solchen Ausflügen den Siedepunkt erreicht, entfernt man unbemerkt die Batterie aus dem eigenen Hörgerät. (mehr lesen)

(…) Er ist Verkäufer in irgendeinem Warenhaus, immer sauber und adrett. „Vielen Dank, es geht schon.“ Bevor er sich hinsetzt, zieht er mit einem Kamm stets noch einmal seinen Scheitel nach. Der ist allerdings in den Jahren ziemlich breit geworden. Und so kämmt er die Haare von der linken Seite über die sich langsam ankündigende Glatze. Eigentlich hat er nur noch einen Priesterkranz, den weiß er aber mit seinem Frisiertrick gut zu verstecken. Nur wenn‘s draußen windig ist, hat er ein Problem. Dann wirbelt ihm jeder Luftzug die deckenden Alibihaare vom Kopf. Dann hat er plötzlich links ganz lange und rechts ganz kurze Haare. Und in der Mitte eben gar keine.(mehr lesen)

Leseproben aus: “Am Ende meiner Würde”

Peter Weyrich

Sonja Trondberg

Herbert Wenningstedt

Shinai Vaduan

(…) Sie fühlt den bitteren Beigeschmack dieser paradoxen Welt, während der Papst gerade alle Hände voll damit zu tun hat, seinen angeschlagenen Hofstaat zu kitten, weil vor wenigen Tagen ein Priester der rechtsradikalen Pius-Bruderschaft in aller Öffentlichkeit den Holocaust geleugnet hat und von einer Entschuldigung weit entfernt ist. Plötzlich rufen nicht mehr soviele „Wir sind Papst“ und die Frau neben mir wüsste gerne, wer Charles Darwin ist. (mehr lesen)

Lesen Sie “Poetisch Paradoxes”

Darwin in Hamburg

 

Zauber eines Lächelns

 

Konversation gefällig …?

(…) Man möchte beinahe glauben, er habe das eine oder andere Wort gedankenlos hineingeworfen. Doch dieser Mann ist alles andere als gedankenlos. Der war jahrzehntelang Vollblutjournalist. Der kann das. Der kann mit Worten umgehen. Und so nimmt er seine Gesprächspartner an die Hand und rast mit ihnen in einer affenartigen Geschwindigkeit durch seine Gedanken. Keine Diva, keine Koryphäe; Profilneurosen sind ihm fremd. Ein bodenständiger Mensch, dem ein begegnungsreiches Leben sein ganz persönliches Vokabular gegeben hat. Niemals würde er beispielsweise etwas derart Kreatives, wie den Bau einer Gitarre, auf das Niveau eines reinen Werkzeugs herunterspielen. (mehr lesen)

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Sensationell: Galapagos-Rinder in Delmenhorst gesichtet

Posted in Uncategorized by Jörn Petersen on September 25, 2011
Galapagos-Rinder in Delmenhorst

Galapagos-Rinder in Delmenhorst

(Bremen/WV) Beachtenswerte Tierliebe zeigen die Delmenhorster Stadtwerke: Um den Galapagos-Rindern einen artgerechten Lebensraum zu schaffen, stellte das Versorgungsunternehmen bereits im Januar 2011 in den Graft-Anlagen ein Wasserwerk ab. Seither ist der Grundwasserspiegel in diesem Naturschutzgebiet im Stadtpark um etwa 1,5 Meter gestiegen. Mit immensen Vorteilen: Die bislang etwa 200 betroffenen Bäume brauchen nicht kostenintensiv abgeholzt zu werden. Die passen sich durch konsequentes Ertrinken ihrem künftigen Lebensraum an. Anwohner, erleben eine höchst soziale Geste: Als Lagerstätte des überschüssigen Wassers werden per sofort auch ihre Kellerräume genutzt. Zumal Galapagos-Rinder sich vornehmlich von Fisch ernähren, muss ein weiterer Anstieg des Grundwasserspiegels unbedingt forciert werden.

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