Jörn Petersen

Klohaus

Posted in Absurdes, Am Anfang meines Lachens, Humoreskes, Schröder - ein Mann unter sich, Skurriles by Jörn Petersen on September 25, 2009

Das Klohaus

Das Klohaus

„Mensch, pass‘ doch auf!“ – Es ist dringend, Schröder hat‘s eilig. Er hat‘s auch nicht böse gemeint. Aber, wenn der Punker nunmal mit seinem Hund direkt vor dem Toilettenhaus steht, naja, kann schon mal passieren. – „Tut mir leid, ich muss da ganz schnell rein.“ – Der Punker macht einen gemächlichen Schritt zur Seite, und Schröder fühlt sich durch die aufgesetzt langsame Lässigkeit irgendwie provoziert. Aber der Weg zum Toilettenhaus ist frei. „Immer diese neumodischen Erfindungen“, denkt er sich, während er das Schild an der Eingangstür liest: „»50 Cent« soll man hier reinschmeißen, dann öffnet sich der Eingang und zwar automatisch, … ein prozessorgesteuertes Urinal.“ – Schnell wühlt er in seiner Hosentasche und findet dort ein paar Münzen. Ein Zehn-Cent-Stück, ein paar Zwanziger, und auch eine Zwei-Euro-Münze ist dabei. Aber kein Fuffziger. Kein passendes Pinkelgeld. Und die Blase drückt. Also irgendwo wechseln, und zwar schnell.

Schröder stürzt ins Foyer des direkt gegenüber liegenden Kinos und hält dabei die passenden Wechselmünzen bereit. Hastig will er sie gegen den ersehnten Fuffziger eintauschen. – „Ich würde ja gerne wechseln,“ sagt der trainiert freundliche Mann hinter der Glasscheibe, „aber die Kasse ist dicht.“ – „Das sehe ich. Dann mach‘ sie doch auf!“ – „Das kann ich nicht, nur wenn jemand eine Karte kauft.“ – Wozu gibt es Kassen, die man nicht öffnen kann, denkt Schröder. Aber der stärker werdende Druck auf seiner Blase hindert ihn daran, weiter über die Ironie dieses Augenblicks nachzudenken. Mit zusammengekniffenen Knien stolpert er auf die Straße. Irgendwer muss doch wechseln können. – „Ich gebe nichts!“, ist die freundliche Antwort der älteren Dame, bevor er überhaupt richtig fragen kann. Seine Gedanken werden zunehmend wütender und hilfloser.

Schon rennt er wieder ins Kino. Er zückt seinen letzten Zehn-Euro-Schein und sagt zu dem Kassierer: – „Also, ich kaufe jetzt eine Kinokarte. Dann ist die Kasse offen, und Du kannst mir den Fuffziger geben. Geht das?“ – „Klar, das geht. Für welchen Film?“ Schröder hat das Gefühl, ihm platzt gleich die Niere. – „Junge,“ quetscht er hervor, „das ist mir scheißegal. Ich will doch nur das Wechselgeld.“ – „Na gut, dann nehmen wir vielleicht ‚Die Überschwemmung‘. Ach nee, der ist ausverkauft. Sorry, bis auf den letzten Platz. Da geht nichts mehr.“ Der Harn drängt immer heftiger. – „Mir doch egal, dann nimm‘ irgendwas anderes!“ – „Okay, okay, nun wollen wir mal nicht gleich pampig werden. Nehmen wir doch einfach ‚Ein Würmchen entdeckt die Welt‘, einverstanden?“ – „Einverstanden, mach schnell!“ – „Loge oder Parkett?“ – »Ich erwürg‘ ihn’« denkt er sich. »Ich schwör’s, wenn ich ihn nochmal treffe, erwürg‘ ich ihn.« Und er sagt: „Gib mir irgend ein Ticket, egal was!“ Lange kann er’s nicht mehr halten. – „Na, Sie sind mir ja ein schwieriger Kunde. Gut, dann gebe ich Ihnen einen schönen Platz in der Loge. Da können Sie super sehen.“ Der Kassierer guckt ein bisschen betreten und versichert: „Das ist wirklich ein guter Platz.“ Dann sagt er: „Das macht dann zehn Euro.“ Er nimmt Schröders Geldschein und der Zehner ist weg.

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