Jörn Petersen

Natürlichkeit des Seins

Posted in Am Anfang meines Lachens, Am Ende meiner Würde by Jörn Petersen on Januar 9, 2010

Ein Baby liegt in seinem Kinderwagen, ruhig und voller Urvertrauen, Angst ist ihm fremd. Es hat eine Wollmütze auf dem Kopf und die Mutter hat ihm die wärmende Daunendecke bis unter’s Kinn gelegt; umwickelt und gehüllt in Mutterliebe. Seine Haut, so gleichmäßig und friedvoll, wie man sich ein Leben nur wünschen möchte. Keine Falten auf dem Gesicht, keine vernarbte Seele; keine Spuren des Lebens, das jetzt beginnen will. Die Mutter schiebt das Baby wohlgeborgen in den Tag, möchte ihm den Weg zeigen. Den Weg ins Leben, oder in das, was sie unter Leben versteht.

Das Baby blinzelt, schaut seine Mutter aus dem Kinderwagen verständnisvoll an. Es will keinen Weg. Es ist gut wie es ist. Und es ist gut wie es wird, ohne Bedienungsanleitung für das, was kommen mag. Es schließt seine Augen und schläft ein, ohne Angst, ohne Ironie oder Sarkasmus. Ein kleines Kind, so frei von Wunden. Im Frieden beginnt sein Leben. Jenem Frieden, nach dem man sich unablässig sehnt, und von dem man sich dennoch mit jedem gelebten Tag weiter entfernt. Die gegangenen Schritte sind nicht wegzuwischen, nicht vom Körper und erst recht nicht aus dem Herzen.

Mag sein, das Baby strahlt in diesem unbefleckten Augenblick größeres Verstehen aus, als jene, die ihm irgendwann noch begegnen werden und die schon einen Weg gegangen sind. Keine Erwartungen, kein Karriereplan, nichtmal ein Ziel. Es ist zufrieden, mit der Weisheit eines Neugeborenen. Mag der Mensch noch so sehr mit seinem geschminkten Trugbild um die Wette rennen, mag er noch so sehr die Vergänglichkeit maskieren und nach Zielen jagen. In der Natürlichkeit des Seins wird das Leben irgendwann enden; genau wie und wo es begonnen hat.

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