Jörn Petersen

Musiker – Publizist – Tagelöhner

(…) „Wasser Marsch!“, ruft er und schafft es gerade noch, in all seiner erhofften Erlösung nicht in hysterisches Gelächter auszubrechen. Selten zuvor hat er sich so auf das bevorstehende Plätschern im Toilettenbecken gefreut. Allein, die Freude ist von kurzer Dauer. Und das nicht ausgebrochene Gelächter ist ihm ohne Vorwarnung wieder vergangen. Von wegen Geplätscher. Da plätschert nichts. Da tropft auch nichts. Es passiert überhaupt nichts. Kein Geplätscher, kein Rinnsal, kein Tropfen, nichts. Schröder hat sich verkrampft. Schröder schüttelt verständnislos den Kopf, dann schüttelt er noch mal ein wenig tiefer, aber es tut sich nichts. Na toll. Schröder hätte nie geglaubt, ein solches Nervenbündel sein eigen zu nennen. „Lass mich jetzt nicht im Stich, alter Freund!“, sagt Schröder, aber der »alte Freund« hängt unbeteiligt in der Luft und rührt sich nicht. (mehr lesen)

(…) Frau Schniebel putzt die Treppe in der zweiten Etage. Möglichst lautstark, damit man ihren Fleiß auch ja nicht überhören möge. Ab und zu ein angestrengtes Stöhnen; könnte auch ein Seufzen oder Keuchen sein. Und ständig dieses Geklapper, wenn der Wischmop viel lauter als nötig gegen die Treppenstufen klatscht. «Also, das muss ja nun wohl wirklich nicht sein!», brummt sie so leise vor sich hin, dass man es auch in der dritten Etage nicht überhören kann. «Es ist heller Tag und die Czepanskis machen trotzdem das Licht an. Dass das dann gleich zehn Glühbirnen sind, soweit denken die nicht. Typen gibt‘s …» Ein abschätziges Kopfschütteln, dann wischt sie mit einem alten Lappen den Handlauf des Treppengeländers hygienisch sauber.
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Lesen Sie „Neues von    Frau Schniebel“

Schniebel 1. Etage

Schniebel 2. Etage

Schniebel 3. Etage

Schniebel 4. Etage

(…) Die Frauen plappern und singen und wedeln mit ihrer Einkaufsbeute. Schwarzbrot, Ammerländer Schinken und vor sechs Tagen aus England importierter frischer Aal. Die Männer plappern nicht. Das ist in dem Alter nunmal so. In dem Alter ist man nur noch Beiwerk seiner Ehefrau. Und man ist als Mann schon dankbar, wenn man von seiner Frau nicht ständig vor der restlichen Gesellschaft gedemüdigt wird, weil man « … mal auf ihre Handtasche aufpassen soll.» Man tut dann möglichst unbeteiligt oder täuscht ein leichtes Schnarchen vor. Und wenn die Obstler-Fröhlichkeit der Damenwelt auf solchen Ausflügen den Siedepunkt erreicht, entfernt man unbemerkt die Batterie aus dem eigenen Hörgerät. (mehr lesen)

(…) Er ist Verkäufer in irgendeinem Warenhaus, immer sauber und adrett. „Vielen Dank, es geht schon.“ Bevor er sich hinsetzt, zieht er mit einem Kamm stets noch einmal seinen Scheitel nach. Der ist allerdings in den Jahren ziemlich breit geworden. Und so kämmt er die Haare von der linken Seite über die sich langsam ankündigende Glatze. Eigentlich hat er nur noch einen Priesterkranz, den weiß er aber mit seinem Frisiertrick gut zu verstecken. Nur wenn‘s draußen windig ist, hat er ein Problem. Dann wirbelt ihm jeder Luftzug die deckenden Alibihaare vom Kopf. Dann hat er plötzlich links ganz lange und rechts ganz kurze Haare. Und in der Mitte eben gar keine.(mehr lesen)

Leseproben aus:  „Am Ende meiner Würde“

Peter Weyrich

Sonja Trondberg

Herbert Wenningstedt

Shinai Vaduan

(…) In der Werbeagentur gehen die Reichen und Schönen ganz selbstverständlich ein und aus. Perfekt gestylte, elegant gekleidete Menschen, die sich ihrer Wirkung sehr bewusst sind. Die Vergänglichkeit der Jugend wird mit Botox und dem Skalpell bekämpft. Narzismus Hand in Hand mit der Angst vor dem Verlust der werbewirksamen Schönheit. Gerrit ist nicht schön, zumindest empfindet er sich nicht so. Er sieht sich als einen Menschen voller Makel. Der Tag besteht daraus, den anderen Menschen nicht in die Augen zu schauen und …
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(…) Sie fühlt den bitteren Beigeschmack dieser paradoxen Welt, während der Papst gerade alle Hände voll damit zu tun hat, seinen angeschlagenen Hofstaat zu kitten, weil vor wenigen Tagen ein Priester der rechtsradikalen Pius-Bruderschaft in aller Öffentlichkeit den Holocaust geleugnet hat und von einer Entschuldigung weit entfernt ist. Plötzlich rufen nicht mehr soviele „Wir sind Papst“ und die Frau neben mir wüsste gerne, wer Charles Darwin ist. (mehr lesen)

Lesen Sie „Poetisch Paradoxes“

Darwin in Hamburg

Der Admiral

Zauber eines Lächelns

Konversation gefällig …?

(…) Man möchte beinahe glauben, er habe das eine oder andere Wort gedankenlos hineingeworfen. Doch dieser Mann ist alles andere als gedankenlos. Der war jahrzehntelang Vollblutjournalist. Der kann das. Der kann mit Worten umgehen. Und so nimmt er seine Gesprächspartner an die Hand und rast mit ihnen in einer affenartigen Geschwindigkeit durch seine Gedanken. Keine Diva, keine Koryphäe; Profilneurosen sind ihm fremd. Ein bodenständiger Mensch, dem ein begegnungsreiches Leben sein ganz persönliches Vokabular gegeben hat. Niemals würde er beispielsweise etwas derart Kreatives, wie den Bau einer Gitarre, auf das Niveau eines reinen Werkzeugs herunterspielen. (mehr lesen)

© 2009 by Jörn Petersen

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